Hundeschlitten in Grönland: Kultur und Tradition
Grönland ist einer der letzten verbliebenen Orte dieser Erde wo Hundeschlitten noch zum Alltag gehören. Die Tradition reicht über Tausende von Jahren zurück. Der genaue Zeitpunkt wann Menschen zum ersten Mal Hunde zum Ziehen von Schlitten einsetzten ist nicht bekannt. Bekannt ist aber, dass verschiedene Indigene Völker Sibiriens
Schlittenhunde zur Fortbewegung nutzten. Später (wahrscheinlich vor über 10 000 Jahren) überquerten einige, aus dem nördlichen Eurasien stammende, nomadisierende Volksgruppen die Behringstraße. Auf diesem Wege gelangten die Tiere nach Nordamerika. Die ältesten dort gefundenen und noch existierenden Beweise für Schlittenhundenutzung, wie zum Beispiel Teile von Schlitten, stammen aus dem Nordwesten Alaskas von wo aus vermutlich auch Grönland besiedelt wurde. Zwischen den einzelnen Volksgruppen variierten die Züchtungen der Hunde stark. So nutzten die Inuit andere Hundetypen als zum Beispiel die Indianischen Völker.
Noch heute dienen die Hundeschlittengespanne den Inuit zum Jagen und Fischen und die Tradition wird immer noch weitergereicht. Zudem bietet der Tourismus eine zusätzliche Einkommensquelle für die einheimischen Hundeschlittenführer. So können wir hoffen, dass das Heulen der Hunde auch weiterhin durch die Arktis hallt...
Der Grönländische Schlitten
Die Schlitten variieren im Design und der Grösse zwischen den verschiedenen Regionen; im Nordwesten, um Qaanaaq (Thule), sind sie oft sehr gross, um den Ansprüchen der langen Reisen auf dem flachen Meereseis zu genügen. Weiter südlich an der Westküste ist das Eis wegen der wärmeren Wassertemperaturen oft trügerisch und unsicher zu befahren. So müssen die einheimischen oft auf Landrouten reisen und dabei zum Teil steile Pässe und Hügel befahren - die Schlitten sind schmaler und kleiner. Zudem haben sie oft mehrere Ketten die zum bremsen under die Kufen gelegt werden können. An der Ostküste werden Schlitten mittlerer Grösse benutzt. So kann immer noch viel Material transporiert aber zwischendurch auch mal ein Pass erklommen werden, der die jeweiligen Fjorde verbindet. In diesem Teil des Landes wird eine Metallklaue am Ende des Schlittens als Bremse benutzt.
Hundegespann (Fan Hitch)
In all den vorher genannten Regionen wird die sogenannte Fächerspannung verwendet. Bei der Fächeranspannung ist jeder Hund einzeln mit einer Leine an den Schlitten gebunden. Früher waren die Leinen aus Leder, heute wird eigentlich nur noch Nylonseil verwendet (früher haben die Hunde oft ihre Leinen zerkaut). Die Tiere laufen in einer Fächerformation vor dem Schlitten her. Diese Form der Anspannung ist die traditionelle bei den Nomadenvölkern verbreitete Art. Hier wurden die Hunde sowohl als Schlittenhunde als auch als Jagdhunde benutzt. Verfolgte der Jäger ein Beutetier mit dem Schlitten, so konnte er gezielt einzelne Hunde vom Schlitten lösen und als Jagdhunde einsetzten, ohne dabei Zeit zu verlieren. Diese Sytem eignet sich somit bestens für das offene Gelände in Grönland ist aber ungeeignet für stark bewaldete Gebiete, da das Gespann zu breit läuft, um schmale Wege zwischen den Bäumen zu nehmen. Es bietet aber noch einige andere Vorteile: Falls ein Hund im Eis einbricht, reißt er nicht das ganze Gespann mit ins Verderben! Zudem erlaubt es den Hunden ihre Position im Rudel zu wechseln.
Position auf dem Schlitten
Wenn es durch schwieriges Gelände zu fahren gilt, sei es über Packeis, durch Dörfer odeer über Pässe,fährt der Schlittenführer am Ende des Gespanns auf den Kufen. So hat er bessere Kontrolle über die Geschwindigkeit und Richtung seinens Gespanns. Sobald der Schlitten über das Eis des Meeres gleitet sitzt der Musher auf dem Schlitten. An Hügeln oder in schweren Schneebedingungen läuft man oft neben dem Schlitten her und hilft den Hunden den Schlitten zu schieben.
Grönland Husky
Der Grönlandhund, wird eigentlich offiziell nicht als Husky bezeichnet. Der über 60 cm große Schlittenhund hat ein doppeltes Haarkleid: dichte und weiche Unterwolle sowie ein dichtes, glattes und harsches Deckhaar ohne Locken oder Wellen in allen Farben, sowohl einfarbig als auch mehrfarbig. Die Ohren sind klein, dreieckig, an den Spitzen abgerundet und werden stramm aufrecht getragen. Um eine Vermischung mit schwächeren Rassen zu vermeiden, trennt der Hundeäquator in Westgrönland die Haltungsgebiete des Grönlandhundes, streng von denen anderer Haushunde.
Umgang mit den Hunden
Die Hunde sind extrem zäh und Leistungsfähig - sie verbringen ihr ganzes Leben im Freien. Am Abend nach einer Tour werden die Hunde angekettet oft schmiegen sie sich gleich in den Schnee. Falls es sehr kalt ist, wird für jeden Hund eine Mulde in den Schnee gegraben wo er übernachten kann. Nach einem langen Tag vor dem Schlitten kriegen die Hunde Robbenfleisch oder Hundefutter zu fressen. Falls die Hunde zuhause sind bekommen sie nur alle paar Tage zu fressen, so gewöhnen sie sich daran einige Tage ohne Nahrung zu sein falls die Jagd einmal nicht erfolgreich sein sollte. Die Tiere sind viel wilder als in unseren Breitengraden. Oft sind sie freundlich aber sie können auch in erbitterte Kämpfe verwickelt sein. Es ist wichtig den Anweisungen des Hundeführers zu folgen sich nicht einfach unbekümmert in die Nähe eines ganzen Rudels zu begeben.
Die Hunde in Grönland werden als Nutztiere betrachtet, und nicht als Haustiere! So manchem Hundeliebhaber hat es schon das Herz gebrochen die stolzen Tiere den ganzen Sommer angekettet zu sehen. Andere Länder andere Sitten...